MI 29.10. · 18:30. Hans legte ohne Einleitung ein iPad auf den Tisch.
„Kurzes Update zu St. Andreas. Offiziell laufen dort in Kürze Renovierungsarbeiten. Ausführendes Unternehmen ist die Kowalski BBS GmbH aus Bottrop. Gehört zur Holding von Sebastian Krüger."
„Projektleiter ist ein Herr Habernickel. Anscheinend der Nachfolger von Behrens. Die Planung geht deutlich über normale Instandhaltung hinaus. Fokus liegt auf Krypta und Fundament. Vor Ort stehen bereits Container. Arbeiten finden auch nachts statt — Vermessung, keine klassischen Bauarbeiten."
„Ihr solltet entscheiden, ob und wie ihr darauf reagieren wollt."
MI 29.10. · 19:45. Auf dem Weg zum Medienball klingelte das Handy. Wallenberg, ruhig:
„Der Vorstand der Colonia Vermögensverwaltung 1896 GmbH prüft derzeit ein ausgesprochen großzügiges Kaufangebot. Offiziell gehört das Triangle dieser Gesellschaft, und der historische Eigentümer war der ehemalige Ventrue Primogen Herr Thielen."
„Morgen Vormittag wird es ein erstes Treffen mit den Bietern geben. An wen soll das Gebäude denn im Idealfall veräußert werden?"
Die Bieter: Al-Karim Capital Advisory GmbH (Dr. Martin Schaefer, Claudia Ritter) und Rheinische Urban Capital GmbH (Timothy Watt, Ralf Mertens). Gastgeber: Johannes Feldkamp und Petra Lindner.
Gleichzeitig schickte eine Quelle namens „Tunnelratte23" ein Bild — aufgenommen in der Nacht davor: mehrere Personen vor dem Triangle, koordiniert und still.
MI 29.10. · 20:00. Der Club war voll. Journalisten. Kulturvertreter. Stadtpolitiker. Champagner, Licht, Musik.
Sie bewegten sich durch den Raum wie Gastgeber aus einer anderen Zeit. Sprachen mit jedem. Leise. Charmant. Interessiert.
„Köln lebt von seiner Kultur. Einige neue Investoren haben sich für zentrale Gebäude interessiert — unter anderem für das Triangle, den Gürzenich, die Severinstorburg. Ich hoffe sehr, dass ihre Absichten ehrenhaft sind."
Während sie sprach, veränderte sich die Stimmung im Raum. Die Journalisten wirkten inspiriert, neugierig, überzeugt. Niemand außer der Gruppe bemerkte es bewusst.
Er blieb neben einer Medienvertreterin stehen und sprach — klar, hörbar für alle in der Nähe — über Dinge, die sie lieber für sich behalten hätte. Ihr Chef starrte sie an. Sie floh mit schnellem Schritt den Raum.
JJ hatte ihn bereits online recherchiert: Foren, Bibliothekskataloge, Anfragen nach unterirdischen Heiligtümern und Orten, an denen Opferblut in den Boden floss.
Nach dem Tod von Polizeipräsident Beck wird Petra Kuhnert als mögliche Nachfolgerin gehandelt. Augenzeugen berichten von einem ungewöhnlich offenen Auftritt mit dem Schauspieler Merlin Hohenfels auf einer Galerieeröffnung in Ehrenfeld — ein Bild, das nicht zu ihrem sonst sehr kontrollierten Auftreten passt. In sicherheitsrelevanten Kreisen stellt man die Frage, ob sich Kuhnert aktuell wirklich auf eine mögliche neue Führungsrolle konzentrieren kann.
MI 29.10. · 21:30. Milo schickte den Link. Kanalname: BlackDogCinema. Profilbild: ein schwarzer Hundekopf, die Zähne gefletscht.
Das Video startete. Körnige Aufnahme, leicht schräg. Gäste in einer Galerie. Leise Gespräche. Weingläser. Gedämpfte Musik. Die Kamera blieb auf einer Person stehen — einem blonden Mann, allein vor einem Gemälde.
Eine weitere Gestalt betrat die Galerie. Dunkle Kleidung. Tätowiert. Eine neue Kameraansicht. Die Bewegung war zu schnell für das menschliche Auge. Der Angreifer zog die erste Person in eine dunklere Ecke zwischen zwei Skulpturen.
Ein kurzer, brutaler Ruck. Der Körper erstarrte. Der Angreifer richtete sich auf. Den abgerissenen Kopf des blonden Mannes in der Hand. Er warf ihn achtlos zu Boden.
Er schaute direkt in die Kamera. Er wusste, dass sie dort war.
„Das Bild war scheiße — und fette Grüße an die Triangle Crew."
Im Hintergrund redeten die Gäste weiter.
Rosa, Marc und Élise prüften die Situation vor Ort und bestätigten: kein Fake. Merlin von Hohenfels war vernichtet worden. Eine klare Drohung. Ein Eskalationssignal des Sabbat.
MI 30.10. · 00:20. Was als leises Eindringen in die Villa von Johannes Feldkamp geplant war, kippt früh.
Eines der Kinder, Fin, wacht auf, hat einen Unfall und geht zu den Eltern — ein banaler, aber folgenschwerer Zufall. Das Haus beginnt zu „leben": Lichter gehen an, Schritte, Stimmen.
Im Trainingsraum unten bemerkt die Mutter etwas. Ein kurzer Schrei — nur durch ein schnelles, kontrolliertes Eingreifen mit Dominate kann die Lage überhaupt stabilisiert werden.
Oben eskaliert die Situation endgültig. Im Schlafzimmer steht Johannes Feldkamp bewaffnet. Die Nerven liegen blank — ein Schuss fällt. Erich wird getroffen. Gleichzeitig öffnet sich eine weitere Tür: ein kleines Mädchen tritt in die Szene.
Die Spieler geben sich offen als Vampire zu erkennen. Patrick zeigt seine Fänge. Feldkamp reagiert nicht mit Wissen, sondern mit blankem Unverständnis. Er weiß nichts. Er ist kein eingeweihter Akteur. Ein Dominate zwingt ihn zu Boden.
Die Mutter hat die Polizei gerufen. Sirenen nähern sich. Das Zeitfenster schließt sich.